Lisbeth Fischbacher auf einem Flissade-Balkon.

Lisbeth Fischbacher deckt den Tisch auf dem ersten wandelbaren Balkon der flissade-Gründer (Bild: Tanja Huber/Tanja Huber Fotografie und Film).

Alumni gründen
Das TUM Start-up flissade
„Wohnzimmer oder Balkon? Beides!“
09. Feb 2018
Lesezeit ca. Min.
In Städten wie München sind Wohnungen mit Balkon beliebt, aber teuer. Und oft reicht der Platz nicht aus. Zwei TUM Alumni haben eine – vielfach prämierte – Lösung. Damit wollen sie jetzt nicht nur München, sondern die Großstädte der Welt verändern.
Vor dem Fenster am Esstisch scheint die Sonne. Wie schön wäre es, jetzt auf dem Balkon zu frühstücken! Dank der Erfindung von Lisbeth Fischbacher und Daniel Hoheneder lässt sich dieser Wunsch innerhalb von Sekunden verwirklichen. Denn die großen Glasscheiben ihres Fassadensystems flissade lassen sich zur Seite schieben. So kann man das Zimmer schnell und einfach in einen Balkon verwandeln.

Den Grundgedanken zu flissade – eine wandelbare Loggia, die mal Balkon, mal Teil des beheizbaren Innenraums wird – entwickelten Fischbacher und Hoheneder im Rahmen einer Seminararbeit am damaligen Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik. Als die beiden Architekturstudenten ihr Projekt vorstellten, kam von ihrem sonst sehr diskussionsfreudigen Professor, Prof. Gerhard Hausladen, kein einziger Kommentar. „Stille“, erinnert sich Hoheneder. „Das konnte zweierlei heißen: Entweder erzählen wir gerade kompletten Quatsch, oder unsere Idee ist super.“

Die Idee kam nicht nur gut an, sondern war auch eine Neuheit. Denn sie löst ein bekanntes Problem: Die wandelbare Loggia vergrößert nicht nur den Wohnraum bei Bedarf, sondern spart auch Energie ein – durch die Fensterfront, die im Winter an die Außenseite des Balkons geschoben wird, merzt man die „Kühlrippen-Wirkung“ aus und nutzt die Sonnenstrahlung, die den Raum erwärmt und somit weitere Energie einspart.

Inzwischen ist das Fassadensystem patentiert. „Professor Hausladen hat unsere Idee von Anfang an begeistert unterstützt“, erzählt Lisbeth Fischbacher. Er konnte wertvolle Kontakte vermitteln und wurde zum Mentor des EXIST-Gründerstipendiums für das Start-up, das Fischbacher und Hoheneder ebenfalls „flissade“ tauften. 2016 gewannen die Gründer den Innovationspreis Bayern, 2017 den Münchner und den Bayerischen Gründerpreis.
Vom Esszimmer zum Balkon – das flissade-Fassadensystem.

Die Glasscheiben zur Seite schieben, fertig: Das flissade-Esszimmer lässt sich im Handumdrehen in einen Balkon verwandeln. (Bild: ©flissade GmbH).

Uns geht es um die Verbesserung des urbanen Lebensraums.

Lisbeth Fischbacher and Daniel Hoheneder

„Wir haben unsere Aufgabe als Architekten schon immer nicht primär in der Verwirklichung einzelner Bauprojekte gesehen“, sagen die Gründer, „uns geht es um einen strukturellen Wandel und um Verbesserung des urbanen Lebensraumes.“ Mit flissade nämlich wollen sie den Raum der Balkone in allen Jahreszeiten – auch im Winter – nutzbar machen.

In der Münchner Maxvorstadt haben Hoheneder und Fischbacher ihren ersten Instant-Balkon in eine Wohnung gebaut, die sie heute als Büro nutzen. Im Moment sind die Architekten dabei, ihren ersten Balkon fern ihres Büros zu bauen: Das Pilotprojekt, die Werkswohnungen der Stadtwerke am Dantebad, soll im Dezember 2018 fertiggestellt werden. Und dann werden Zimmer vielleicht immer öfter zu Balkonen werden – in München und überall auf der Welt.

TUM Alumni Lisbeth Fischbacher und Daniel Hoheneder.

Lisbeth Fischbacher und Daniel Hoheneder. (Bild: Tanja Huber/Tanja Huber Fotografie und Film).

Lisbeth Fischbacher und Daniel Hoheneder

Beide Diplom Architektur 2011

 

Daniel Hoheneder studierte zunächst Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim, wo er Lisbeth Fischbacher kennen lernte. Zusammen gingen sie an die TUM und schlossen dort gemeinsam ihr Studium ab, Fischbacher gar als Jahrgangsbeste – ihre Diplomarbeit „Hinter der Glyptothek – Stadtgestalt in Geschichte und Gegenwart“ wurde mit dem Hochschulpreis der Stadt München ausgezeichnet.

Und kurz darauf feierten die beiden Architekten noch einmal: Das Patent zu flissade wurde erteilt, der gemeinsamen Firma stand nichts mehr im Weg.