TUM Alumnus Manfred Broy.

TUM Alumnus und Professor Manfred Broy hat fast vierzig Jahre an der TUM verbracht: Nach Studium, Promotion und Habilitation wurde er Gründungsdekan der Fakultät für Informatik (Bild: Astrid Eckert/TUM).

Alumni forschen
TUM Emeritus of Excellence Manfred Broy
„Ich möchte digitale Technologie gesellschaftlich verantwortbar umsetzen“
26. Jul 2018
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Schon in der Schule ist ihm Mathe leicht gefallen und hat TUM Alumnus Manfred Broy richtig Spaß gemacht. Sein Faible für Formalisierung hat er zum Beruf gemacht und zählt heute zu den meist zitierten Informatikern weltweit.
Als Manfred Broy damit begonnen hat, war Programmierung noch ein Thema für wenige Spezialisten. Heute ist die Informatik im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zur zentralen Führungs- und Informationsdisziplin geworden. „Fast ein halbes Jahrhundert hinweg durfte ich die Entwicklung in der heute so dominanten Informatik, ihre immer größere Bedeutung, die immer breiter werdenden Anwendungsbereiche erleben.“

Während seiner Ausbildung blieb Manfred Broy seiner Alma Mater: Er absolvierte Studium, die ausgezeichnete Promotion und Habilitation an der TUM. Nach einer sechsjährigen Station in Passau, kehrte er 1989 als Professor für Informatik an die TUM zurück, wo er ab 1992 auch Gründungsdekan der Fakultät für Informatik war. Nicht zuletzt mit seiner Forschung an der TUM hat er dazu beigetragen, dass entscheidende Impulse der digitalen Entwicklung Bayerns aus München kamen. In zahlreichen Projekten konnte er seine auf Basis mathematischer und logischer Methoden entwickelten Softwaresysteme erfolgreich in die praktische Anwendung überführen, wie etwa auf dem Gebiet der Telekommunikation, der Avionik, des Automobilbaus und des Bankwesens.

Berufung zum Beruf

Schon in der Schule war Manfred Broy von der Mathematik und insbesondere deren Grad an Präzision fasziniert. „Erst viel später ist mir bewusst geworden, dass dieses Faible und meine Fähigkeit, Gegenstände ganz und gar zu durchdringen, also letztlich zu formalisieren, der Kernbereich der Softwareentwicklung ist.“ Manfred Broy hat gleichsam seine Berufung zum Beruf gemacht und kann durch seine Leidenschaft für präzise Begriffsbildung und definitorische Akkuratesse einer der großen Herausforderungen beim Schreiben komplexer Softwareprogramme mit Leichtigkeit begegnen.

Ich habe die Explosion einer Disziplin miterleben und mitgestalten dürfen.

Manfred Broy

Spannend wird es für Manfred Broy vor allem dann, wenn es gilt, die „wirkliche Welt“ durch entsprechend präzise formulierte Variablen abzubilden, damit Softwaresysteme mit ihr interagieren können. „Diese so genannten eingebetteten Systeme haben Umfänge, die man sich als Normalsterblicher gar nicht vorstellen kann: In einem heutigen Premium-Auto ist Software im Umfang von hundert Millionen Zeilen Programmiercode vorhanden. Das muss man sich erst einmal vorstellen; ein normales Buch mit dreihundert Seiten besteht aus zehntausend Zeilen, dann besteht die Software für ein solches Auto quasi aus zehntausend Büchern.“

Fulltimejob im Ruhestand

Manfred Broys Interesse gilt hierbei nicht nur der Modellierung solcher Systeme, sondern gerade auch den Wechselwirkungen und dramatischen Beeinflussungen, die deren reale Anwendungssituationen für Gesellschaft, Kultur, Bildung und Politik mit sich bringen. „Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es eine Technologie, die so viele Menschen in einem so kurzen Zeitraum erreicht und deren Lebensweise so dramatisch verändert hat.“ Diese bis dato weder bewältigten noch gänzlich absehbaren Auswirkungen der Informatik auf den Menschen, auf wichtige Grundrechte wie Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung, das sind Fragen, die Broy nicht zur Ruhe kommen lassen.

Seit seiner Emeritierung bringt er nun sein Gespür für technologische Trends, die er einerseits „rasch aufspüren und befördern“, andererseits „gesellschaftlich vertretbar machen“ möchte, als Gründungspräsident des Zentrum Digitalisierung.Bayern in Garching ein. Intensiv kann er sich dort eben denjenigen Schlüsselthemen widmen, die ihn so sehr umtreiben: der digitalen Transformation an Hochschulen, Unis, in Unternehmen und deren Ausgestaltung auch im Hinblick auf den konkurrenzfähigen und erfolgreichen Aufbruch Bayerns ins vierte industrielle Zeitalter. „Ich bin nicht im Ruhestand“, so der Emeritus of Excellence, „ich habe einen Fulltimejob. Jetzt kann ich mich auf die wesentlichen Fragen konzentrieren.“

TUM Alumnus Manfred Broy

Manfred Broy (Bild: blende 11 fotografen).

Prof. Dr. Dr. Manfred Broy

Diplom Mathematik 1976, Promotion 1980, Habilitation 1982

 

Manfred Broy erhielt 1976 sein Diplom in Mathematik an der TUM und promovierte mit Auszeichnung zum Thema „Transformation parallel ablaufender Programm“. 1982 schloss er seine Habilitation an der TUM ab.

An der Universität Passau war er Gründungsdekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, deren Lehrstuhl für Programmiersprachen er innehatte. 1989 kehrte er an die TUM zurück, wo er Inhaber des Lehrstuhls Software & Systems Engineering der Fakultät für Informatik war und außerdem ab 1992 Gründungsdekan. 2015 wurde er Gründungspräsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B).

Manfred Broy ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der InterFace AG, Mitgründer und Mitglied des Board of Directors des Center for Digital Technology and Management (CDTM) von TUM und LMU München, er ist unter anderem auch Mitglied der Leopoldina, der Europäischen Akademie der Wissenschaften, der acatech und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Zu seinen Auszeichnungen zählen die Konrad Zuse-Medaille der Gesellschaft für Informatik, der Bayerische Staatspreis für Unterricht und Kultus, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1994).

Manfred Broy ist verheiratet und hat drei Kinder.

Professor Dr. Dr. Manfred Broy wurde 2015 von TUM-Präsident Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann  in den Kreis der TUM Emeriti of Excellence aufgenommen.