Nobelpreisträger Ben L. Feringa.

Ben L. Feringa wurde 2016 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. (Bild: Alexander Mahmoud/ Nobel Media AB).

Alumni mit Nobelpreis
TUM Ambassador Ben L. Feringa
„Niemand hat das bisher gemacht”
01. Feb 2018  |  
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Seit Jahren kommt Professor Ben L. Feringa an die TUM und diskutiert mit Studierenden und Forschenden den Antrieb von Molekülen. Auch nach der Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Chemie 2016 bleibt er der TUM treu.
In der TV-Serie The Simpsons wird Professor Ben L. Feringa schon im September 2010 bei einer Wette zwischen Lisa Simpson und ihren Freunden für den Nobelpreis in Chemie vorgeschlagen. In der Wirklichkeit außerhalb des Fernsehens musste der Chemie-Professor aus Groningen noch sechs Jahre warten. Dann aber traf ihn der Anruf aus Schweden wie ein Blitzschlag. Nur eine Stunde vor der offiziellen Verkündung habe er davon erfahren, dass er zusammen mit Kollegen den Nobelpreis in Chemie 2016 erhalten würde: „Das war wie ein Schock für mich“.

Ben Feringa ist auf einem Bauernhof zusammen mit neun Geschwistern aufgewachsen; als Kind wollte er selbst Landwirt werden. Sein Vater aber meinte, er solle erst studieren, dann könne er immer noch in die Landwirtschaft zurückkehren. Zusammen mit seiner großen Schwester war er dann der erste in der Familie, der aufs Gymnasium und später an die Universität ging. Feringa war neugierig auf die Welt, wollte sie entdecken und erforschen, er liebte Entdecker-Romane und stellte bei der Landarbeit immer wieder Fragen zu dem, was er vorfand – „zum Beispiel darüber, wie es möglich ist, dass aus einem kleinen Kern eine vier Meter hohe Sonnenblume wächst“ – und diskutierte darüber mit seinen Geschwistern.

Das erste selbstgebaute Molekül

Seine Eltern hätten ihn bei seinem Forscherdrang immer unterstützt, sein Chemie-Lehrer am Gymnasium aber war es, der den Ausschlag für die Studienwahl Feringas gab: „ein ganz besonderer Typ, er inspirierte und motivierte uns sehr“. Die Tatsache, dass man bei den Experimenten etwas veränderte, etwas machen und sehen konnte, das hat Feringa von Beginn an fasziniert. Deshalb entschied er sich für ein Studium der Chemie in Groningen. Im dritten Studienjahr endlich durfte er eigene Experimente durchführen und baute schon nach den ersten Wochen sein erstes Molekül – „ein schönes weißes Pulver“, wie Feringa noch bildlich vor Augen hat – und sein Professor staunte: „Niemand in der Welt hat dieses Molekül bisher gebaut.“ Es sei ein absolut nutzloses Molekül gewesen, aber Feringa war begeistert: „Das gibt dir das Gefühl, ein Künstler zu sein – wow, niemand hat das bisher gemacht, ich war’s.“

Dieses Gefühl hat Feringa mittlerweile schon häufig erlebt: Bevor er seine molekularen Maschinen anfertigte, gab es solche nicht. Moleküle bewegen sich normalerweise zufällig, ihre Bewegung zu kontrollieren, hatte bisher niemand geschafft. Dann entdeckte das Team um Feringa, dass Moleküle auf Licht mit einem Hin- und Herschalten reagierten, und dann, zehn Jahre später, dass sie sich durch Lichtantrieb in die immer gleiche Richtung drehten: „Damit hatten wir einen rotierenden Motor – im Nanobereich“. Weitere zehn Jahre habe es dann gedauert, bis sie das erste Nano-Auto gebaut haben, das sich auf einer Oberfläche bewegen konnte, erzählt Feringa. Dinge, die es davor nicht gab.

Ich liebe die großartige Atmosphäre von Wissenschaft an der TUM.

Ben Feringa

Schon seit vielen Jahren kooperiert Ben Feringa mit Professor Thorsten Bach vom Lehrstuhl für Organische Chemie I an der TUM. 2011 erhielt er den Humboldt-Forschungspreis, den er zur Intensivierung der Forschungskooperation mit der TUM nutzte. 2012 ist er Mitglied des Institute for Advanced Study der TUM (TUM-IAS); als Honorary Hans Fischer Senior Fellow war er mehrmals zu Forschungsaufenthalten in Garching: „Ich mag die Diskussionen mit den Studierenden und Kollegen und Kolleginnen. Ich liebe es, an der TUM zu sein, weil man hier diese großartige Atmosphäre spürt, die von Exzellenz geprägt ist.“ Ben Feringa schätzt vor allem den Austausch mit seinen Kollegen und den Studierenden, allen voran mit Gastgeber Thorsten Bach. „Ich habe hier Zeit, nachzudenken und auf neue Ideen zu kommen – das ist wichtig für uns als Wissenschaftler.“

Als Ben Feringa „für das Design und die Herstellung molekularer Motoren“ mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, freuten sich auch die Münchner Kollegen. Für Feringa ist der Nobelpreis wie der Gewinn einer Goldmedaille – den er nicht im Blick hatte, als er an der kontrollierten Bewegung von Molekülen geforscht hat, für den er aber hart trainiert hat. Was kommt nach dem Nobelpreis? „Zwei Dinge“, sagt Feringa: „Weiterforschen natürlich, weil das meine Leidenschaft ist“. Und zweitens möchte er der Wissenschaft etwas zurückgeben und sich vermehrt für die Förderung der Wissenschaft einsetzen – in der Politik oder an Schulen zum Beispiel: „Ich verstehe mich mehr denn je als Botschafter für die Wissenschaft und Bildung.“ Und das funktioniert, denn sein Enthusiasmus für die Wissenschaft ist ansteckend.

Sie wollen mehr über den Nobelpreisträger und seine Forschung erfahren? Dann freuen Sie sich schon jetzt auf die neue Ausgabe des KontakTUM Magazins: Dort veröffentlichen wir das ganze Interview mit Professor Ben Feringa. Bis dahin lohnt sich aber auch ein Blick in unser KontakTUM Geburtstagsheft.

Ben L. Feringa in der Münchner Philharmonie im Gasteig.

Ben L. Feringa im Interview kurz vor der TUM Ambassadords Awards Ceremony in der Münchner Philharmonie im Gasteig (Bild: Eckert/TUM).

TUM Ambassador Prof. Dr. Ben L. Feringa.

Prof. Dr. Ben L. Feringa (Bild: Eckert/TUM).

Prof. Dr. Ben L. Feringa

TUM-IAS Honorary Hans Fischer Senior Fellow, TUM Ambassador 2017

 

Nach seiner Promotion an der Universität Groningen 1978 arbeitete Ben L. Feringa einige Jahre bei Shell, bevor er an die Universität in Groningen zurückkehrte. Dort ist er bis heute Professor, baut molekulare Motoren, lehrt mit Leidenschaft und trägt seine Begeisterung für die Wissenschaften auch in die Grundschulen hinein – seine Augen leuchten, wenn er von den Entdeckungen erzählt, die seine Studierenden machen.

Für das Design und die Herstellung von molekularen Maschinen hat er 2016 – zusammen mit Professor Jean-Pierre Sauvage und Professor Sir J. Fraser Stoddart – den Nobelpreis in Chemie erhalten.

Regelmäßig besucht er die TUM, um sich mit Gastgeber Professor Thorsten Bach auszutauschen.

2017 wurde Ben L. Feringa von TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann der Ehrentitel TUM Ambassador verliehen. In Anerkennung ihrer Verdienste erhalten seit 2013 einmal jährlich ausgewählte internationale Spitzen-Forscherinnen und -Forscher, die als Gast an der TUM geforscht haben, diesen Titel.