Das Gründerteam von yuri (v.l.n.r.): TUM Alumns Mark Kugel, Maria Birlem und TUM Alumnus Christian Bruderrek.

TUM Alumnus Mark Kugel (links), Maria Birlem (Mitte) und TUM Alumnus Christian Bruderrek (rechts) wagen sich mit ihrem global agierenden Start-up yuri in ein Marktfeld vor, das es bisher noch nicht gab. Sie machen die kommerzielle Forschung in der Schwerelosigkeit einfacher, günstiger und schneller als jemals zuvor. 2021 wurden sie hierfür mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet (Bild: Dirk Bruniecki/yuri).

Alumni gründen

Gründer Christian Bruderrek und Mark Kugel

„Wir wollen einen großen Fußabdruck hinterlassen“

09. Feb 2022  |  
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Rein zufällig lernten sich die TUM Alumni Christian Bruderrek und Mark Kugel kennen. Ein Glückstreffer für die Forschung in der Schwerelosigkeit. Mit ihrem Start-up sind sie wahre Wegbereiter für Innovationen.
Nahezu alle physikalischen, biologischen und chemischen Phänomene auf der Erde sind der Schwerkraft unterworfen. Um die dadurch bedingten störenden Einflüsse auszuschalten, müssten bestenfalls alle wissenschaftlichen Experimente in der Schwerelosigkeit des Weltalls durchgeführt werden. Nur in der dort herrschenden Mikrogravitation lassen sich grundlegende Phänomene und Zusammenhänge exakt erforschen, die dann auf der Erde zu Innovationen in der Medizin, der Biotechnologie, den Materialwissenschaften oder der Mikroelektronik führen können.

Mit ihrem Start-up yuri wollen die TUM Alumni Christian Bruderrek (Diplom Aerospace, Aeronautical and Astronautical/Space Engineering 2004) und Mark Kugel (Master Management & Technology 2016) die Durchführung solcher Experimente im schwerelosen Raum vereinfachen.

GLÜCKSTREFFER

Als Mark Kugel zu einem Gründerevent der Zeppelinuniversität am Bodensee fuhr, hatte er vor, dort für seinen damaligen Arbeitgeber Rolls Royce neue Mitarbeitende anzuwerben. Als er die Veranstaltung verließ, war er selbst abgeworben worden. Nun wollte er gemeinsam mit den Raumfahrtingenieuren Christian Bruderek und Maria Birlem sein drittes Start-up gründen.

Christian Bruderrek war von Kindesbeinen an von der Raumfahrt begeistert. Schon früh war ihm klar, dass er Raumfahrtingenieur werden wollte. Und so entschied er sich zum Studium in Aerospace, Aeronautical and Astronautical/Space Engineering an der TUM. Als er am Lehrstuhl für Thermodynamik, zunächst im Team von Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dr. Johannes Straub, dann unter dessen Nachfolger Prof. Dr. Thomas F. Sattelmayer, für die Internationale Raumstation ISS Parabelflüge konzipieren durfte, wurde er in seinem Berufsziel noch mehr bestärkt. „Die Zusammenarbeit in den Teams machte unglaublich Spaß“, erinnert er sich. „Das gab mir den Antrieb dazu, solche Projekte professionell durchführen zu wollen.“ Nach seinem Studienabschluss entwickelte er fünfzehn Jahre lang Raumfahrzeuge und Schwerelosigkeitsnutzlasten, zuletzt bei der Airbus Defence and Space GmbH in Immenstadt am Bodensee. Gemeinsam mit Raumfahrtingenieurin Maria Birlem rief er dort das Projekt Kiwi ins Leben, mit denen die beiden neun Experimente auf der ISS durchführten.

Gerade in Deutschland müssen wir größer denken und uns mehr trauen.

Mark Kugel

Um die zunehmende Nachfrage nach kommerziellen Raumfahrt-Experimenten agiler und innovativer bedienen zu können, wollten Christian Bruderek und Maria Birlem ein eigenes Unternehmen gründen. Zwar brachten die beiden gemeinsam mehr als 30 Jahre geballte Fachexpertise mit. Aber von der Gründung und Führung eines Unternehmens hatten sie keine Ahnung. Mark Kugel kam wie gerufen. Nach seinen mehrjährigen Erfahrungen als Student und Werkstudent beim Flugzeughersteller Airbus S.A.S. in München war für ihn klar, dass seine Karriere nicht in einem großen Konzern, sondern im Unternehmertum lag. An der TUM war er hierfür genau richtig. Hier studierte er auf Master Management & Technology und erwarb einen Honours Degree in Entrepreneurship, Innovation, Product Development am CDTM Center for Digital Technology and Management von TUM und LMU. Noch während des Studiums gründete er zwei Start-ups. „An der TUM und am CDTM wird das Unternehmertum gelebt“, sagt er. „Hier wurde mir dieser Karriereweg durch Vorbilder noch schmackhafter gemacht.“

WEGBEREITER

2019 gründeten die TUM Alumni gemeinsam mit Maria Birlem ihr Start-up mit Sitz in Meckenbeuren bei Friedrichshafen. Als Hommage an den sowjetischen Kosmonauten und ersten Mensch im Weltraum, Juri Alexejewitsch Gagarin, nannten sie es yuri. Sie entwickelten ein Minilabor, in dem Experimente im kleinen Maßstab aufgebaut und somit wesentlich kostengünstiger und zeitsparender ins All geschickt werden können.

TUM Alumnus Mark Kugel ist nicht nur in Sachen Unternehmertum auf Zack. Selbst im Raketenkostüm rennt er den schnellsten Marathon. Mit dieser Leistung hält er den Guinness-Weltrekord (Bild: Privat).

Spezialisiert hat sich das Gründerteam hierbei auf biologische Experimente. So reisen im zehn mal zehn Zentimeter großen Forschungskästchen etwa Pflanzenzellen mit, deren Wachstumseigenschaften dann in der Schwerelosigkeit erforscht werden können. Die daraus resultierenden Erkenntnisse helfen dabei, neue Ansätze für die Ertragssteigerung von pflanzlichen Nahrungsmitteln und Kraftstoffen zu entwickeln oder neue Sorten zu züchten. Jüngst wurden Tumorzellen in die Schwerelosigkeit geschickt. Das bietet nicht nur Perspektiven für die tierversuchsfreie Entwicklung neuer Medikamente gegen Krebs, sondern auch gegen Alterskrankheiten und Osteoporose. Auch der Impfstoffentwicklung liefern Experimente in der Mikrogravitation wertvolle Erkenntnisse.

NOCH HÖHER HINAUS

In kürzester Zeit konnten Christian Bruderrek und Mark Kugel miterleben, dass ein kleines Unternehmen durchaus große, komplexe Dinge vorantreiben kann – wenn man es nur wagt. Bereits zwei Experimente brachten sie seit der Gründung zur ISS, das eine im Auftrag der NASA, das andere für das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. „Gerade in Deutschland müssen wir größer denken und uns mehr trauen“, sagt Mark Kugel. „Wir arbeiten in einem Markt, den es bisher noch nicht gab.“

Noch ist yuri ein Service-Anbieter von Laborversuchen im All. In naher Zukunft sieht sich das Unternehmen allerdings als Biotech-Firma, die in der Schwerelosigkeit eigene Produkte wie biologisches Material herstellt oder vollständige Organe züchtet. „Wir wollen als kleines Unternehmen einen großen Fußabdruck hinterlassen“, sagt Christian Bruderrek. Mark Kugel fügt hinzu: „Wir wollen die Welt ein Stück besser machen.“

TUM Alumnus Mark Kugel, Maria Birlem und TUM Alumnus Christian Bruderrek.

(v.l.n.r.): TUM Alumnus Mark Kugel, Maria Birlem und TUM Alumnus Christian Bruderrek (Bild: yuri).

Christian Bruderrek und Mark Kugel

Diplom Aerospace, Aeronautical and Astronautical/Space Engineering 2004

Master Management & Technology 2016

 

An der TUM studierte Christian Bruderrek Aerospace, Aeronautical and Astronautical/Space Engineering. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 2004 war er fünfzehn Jahre lang für Unternehmen der Luft- und Raumfahrt in Deutschland und der Schweiz tätig. Ein eigenes Unternehmen zu gründen, war nicht sein primäres Ziel. Und doch wagte er 2019 mit dem Start-up yuri den Sprung in die Selbstständigkeit. Dort ist er für alle Operationen, Raumfahrtagenturthemen, internationale Partnerschaften und den Aufbau des Luxemburger Büros verantwortlich. Christian Bruderrek ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, seinen drei Kindern und zwei Schildkröten im ländlichen Bodenseekreis. Seine freie Zeit verbringt er tagsüber mit Sport in der Natur und nachts mit dem Sortieren von Legosteinen.

An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg absolvierte Mark Kugel seinen Bachelor in Industrial Engineering. An der TUM studierte er auf Master Management & Technology und erwarb einen Honours Degree in Entrepreneurship, Innovation, Product Development am CDTM. Am Indian Institute of Management in Bangalore absolvierte er zudem einen Master in Business Administration and Management. Bevor Mark Kugel 2019 bei yuri einstieg, hatte er bereits zwei Start-ups gegründet und die digitale Transformation des Triebwerksherstellers Rolls-Royce Power Systems begleitet. Bei yuri ist er für die kommerzielle Geschäftsentwicklung, den Vertrieb und alle Marketingkanäle verantwortlich. Mark Kugel ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter.

2019 gründeten die TUM Alumni gemeinsam mit Maria Birlem das Start-up yuri. Mit ihrem Minilabor schicken sie Experimente wesentlich kostengünstiger und zeitsparender ins All, als dies bisher möglich war. Bei der ebenfalls vom Start-up angebotenen Durchführung von Experimenten im Mikrogravitationssimulator oder im Fallturm auf der Erde sowie in suborbitalen, orbitalen Flügen und in Parabelflügen kann die Kosten- und Zeitersparnis sogar noch höher sein.