TUM Alumnus Wolfgang Domcke mit Studierenden.

Auch als Emeritus arbeitet Wolfgang Domcke mit seiner Arbeitsgruppe an der TUM Vollzeit an hoch aktuellen Forschungsthemen, etwa im Bereich Erneuerbarer Energie (Bild: Privat).

Alumni forschen
TUM Emeritus of Excellence Wolfgang Domcke
„Wissenschaft und Sport bestimmen mein Leben“
14. Jan 2019
Lesezeit ca. Min.
Weder auf dem Gebiet der Physik und Chemie noch auf dem des Sports ist TUM Alumnus Wolfgang Domcke ein Ziel zu anspruchsvoll. Auch als Emeritus betreibt er an der TUM nach wie vor Pionierforschung, wenn er nicht gerade mit seinem Mountainbike unterwegs ist.
Schon als Kind war Wolfgang Domcke naturwissenschaftlich interessiert, las viel und führte unter nachsichtiger Duldung seiner Eltern im Keller Chemieexperimente durch. „Recht früh hatte ich bereits Sprengstoff hergestellt, um zu sehen, was passiert“, so erinnert sich der gebürtige Münchner schmunzelnd. Als er sich nach dem Abitur für ein Studienfach entscheiden musste, war es die Physik. „Chemie war mir zu einfach. Und an der TUM wurde zu jener Zeit gerade das Physik-Department durch Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer gegründet. Das reizte mich natürlich.“

Wissenschaft als Sport

Insbesondere durch die klar strukturierten Vorlesungen seiner beiden großen akademischen Lehrer und Vorbilder, dem späteren TUM-Präsidenten Wolfgang Wild und seinem späteren Doktorvater Wolfgang Brenig, wird Wolfgang Domcke in seinem Verlangen, grundlegende theoretische Zusammenhänge verstehen zu wollen, nachhaltig bestärkt. „Ich wollte verstehen, wie Natur funktioniert“, so erinnert sich der passionierte Theoretiker rückblickend. 1972 schloss er sein Studium mit einer Diplomarbeit auf dem Gebiet der Theoretischen Kernphysik ab, drei Jahre später die Promotion über Fragestellungen aus der Festkörper- und Molekülphysik. An die höchst kompetitive Atmosphäre während seiner Studienzeit kann sich Wolfgang Domcke noch heute gut erinnern: „Ich habe mich dabei durchaus wohl gefühlt, da ich das leistungsorientierte Studium als Sport betrachtet habe.“

Wissenschaft und Bergsteigen sind Sportarten, die man ernst nehmen muss.

Wolfgang Domcke

Nachdem er ein Jahr wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TUM war, wechselte Wolfgang Domcke als wissenschaftlicher Assistent an die Universität Freiburg, an der er 1979 in Theoretischer Physik habilitierte. Nach einem DFG-Forschungsstipendiat am renommierten Caltech, dem California Institute of Technology in Pasadena, lehrte und forschte Wolfgang Domcke in Heidelberg und Düsseldorf. 1999 erfolgte schließlich der Ruf auf den Lehrstuhl für Theoretische Chemie an die TUM, an der er bereits zuvor zehn Jahre lang als Extraordinarius der Physikalischen und Theoretischen Chemie Bahnbrechendes geleistet hatte. Mit seinen Arbeiten zur theoretischen Beschreibung der Dynamik ultraschneller photoinduzierter Prozesse in mehratomigen Molekülen wurde er an der TUM zu einem der Pioniere der damals gerade aufkommenden Femtochemie und trug entscheidend zu einem Paradigmenwechsel in diesem Forschungsfeld an der Grenze zwischen Theoretischer Physik und Chemie bei.

Sport als Ausgleich zur Wissenschaft

Neben der Wissenschaft hatte für Wolfgang Domcke immer auch der Bergsport einen hohen Stellenwert. Gerade während seiner langen Zeit an der TUM vermittelte Wolfgang Domcke seinen internationalen Studierenden, Post-docs und Gastwissenschaftlern nicht nur Theoretische Physik und Chemie, sondern als TUM-diplomierter Bergführer auch seine Leidenschaft für das Bergsteigen. Regelmäßig nahm er seine Arbeitsgruppen mit in die bayerischen Alpen – auch wenn dem anspruchsvolle Touren gewohnten Extrembergsteiger nicht immer alle Mitglieder auf den Gipfel folgen konnten.

Seit 2013 ist Wolfgang Domcke emeritiert. Außer dass neben dem Bergsteigen nun auch noch Mountainbiking als sportlicher Ausgleich zur Wissenschaft hinzugekommen ist, hat sich allerdings kaum etwas geändert. Nach wie vor widmet er sich Vollzeit mit seiner Arbeitsgruppe in Garching den beiden wesentlichen Fragestellungen, denen er mit ungebrochenem Interesse treu geblieben ist: dem Verständnis ultraschneller Prozesse in der Chemie und dem hoch aktuellen Thema molekularer Wasserspaltung durch Sonnenlicht zur Entwicklung Erneuerbarer Energie. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich die Chance habe, als Theoretiker nach wie vor an der TUM zu forschen und auch als Gutachter, etwa für das Post-doc Programm der TUM tätig zu sein. Ich finde es gut, dass die TUM Emeriti of Excellence dazu ermutigt, ihre Arbeitskraft weiterhin zur Verfügung zu stellen und damit den jungen Kolleginnen und Kollegen Impulse zu geben und sie zu entlasten.“

TUM Alumnus Wolfgang Domcke.

Wolfgang Domcke (Bild: Astrid Eckert/TUM).

Prof. Dr. Wolfgang Domcke

Diplom Physik 1972, Promotion 1975

 

Nach Physik-Studium und Promotion in Theoretischer Physik an der TUM habilitierte Wolfgang Domcke 1979 an der Fakultät für Physik der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. 1981 ging er als DFG-Forschungsstipendiat an das California Institute of Technology nach Pasadena in die USA. Zurück in Deutschland hatte er eine Professur für Theoretische Chemie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1982-1986) inne, es folgte eine Professur für Physikalische und Theoretische Chemie an der TUM (1986-1996) sowie eine Professur für Theoretische Chemie an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (1996-1999). Von 1999 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2013 leitete Wolfgang Domcke den Lehrstuhl für Theoretische Chemie der TUM.

Wolfgang Domcke ist Mitglied der International Academy of Quantum Molecular Science und Fellow of the Royal Society of Chemistry, er ist zudem langjähriger Fachgutachter der DFG und der Alexander von Humboldt-Stiftung. Für seine wegweisende Forschung auf dem Gebiet der Theoretischen Chemie und Physik wurde er unter anderem mit der Commemorative Medal of the Faculty of Mathematics and Physics der Charles University Prag, dem Kopernikus-Preis der DFG und der Foundation for Polish Science sowie der Ehrendoktorwürde der Karls-Universität Prag geehrt.

Wolfgang Domcke ist begeisterter Bergsteiger, Skiläufer und Moutainbiker. Er ist verheiratet und hat drei bereits erwachsene Kinder. Seine beiden Töchter sind mit ihrem Studium der Theoretischen Physik und der Biochemie an der TUM in die Fußstapfen ihres Vaters getreten.

Professor Dr. Wolfgang Domcke wurde 2017 von TUM-Präsident Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann  in den Kreis der TUM Emeriti of Excellence aufgenommen.