Noch vor der Gründung ihres Start-ups gewannen die TUM Alumni Dr. Miguel Molina Romero und Dr. Pedro Gómez Spitzenpreise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Beim Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gewannen sie den Hauptpreis

Noch vor der Gründung ihres Start-ups gewannen die TUM Alumni Dr. Miguel Molina Romero und Dr. Pedro Gómez Spitzenpreise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Beim Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gewannen sie den Hauptpreis (Bild: Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen).

Alumni gründen

Gründer Miguel Molina Romero und Pedro Gómez

„Wir wollen die größten Probleme der Menschheit lösen“
26. Apr 2021  |  
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Den TUM Alumni Pedro Gómez und Miguel Molina Romero ist keine Herausforderung zu groß und kein Ziel zu hoch gesteckt. Mit ihrer innovativen KI-getriebenen MRT-Technologie wollen sie grundlegende Transformationen in der Lebensmittelindustrie und der Agrarwirtschaft erreichen.
2014 lernten sich Pedro Gómez und Miguel Molina Romero im BERTI-Doktorandenprogramm an der TUM kennen. Im Rahmen des Programms, des Marie Curie Initial Training Network BERTI: Biomedical Imaging & Informatics – European Research and Training Initiative, wurden sie an der Munich School of BioEngineering wissenschaftlich betreut. Zusätzlich begleitete sie ein Mentor aus dem Forschungszentrum des Industriepartners GE Global Research auf dem TUM-Campus Garching.

Pedro Gómez und Miguel Molina Romero merkten rasch, wie sehr sie in ihren Zielsetzungen und Leidenschaften übereinstimmen. „Große Herausforderungen treiben uns an“, betonen sie. „Wenn wir vor einem schwierigen Problem stehen, dessen Lösung enorme positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt in Aussicht stellt, dann sind wir voll dabei.“ Ihr Ziel war es, die MRT-Bildgebung mit einer KI-gestützten Bildanalyse zu koppeln und neue Einsatzmöglichkeiten jenseits medizinischer Zwecke zu erschließen.

NACHHALTIGKEIT AUF VERSCHIEDENEN EBENEN

Was 2017 unter dem Namen Orbem als Forschungsprojekt an der TUM begann, ist mittlerweile ein vielbeachtetes und mehrfach ausgezeichnetes Hightech-Start-up. Die von Pedro Gómez und Miguel Molina Romero gemeinsam mit der Spezialistin für Reproduktionsbiotechnologie Maria Laparidou entwickelte KI-getriebene Bildgebungstechnologie untersucht und klassifiziert Objekte berührungslos. Der Prototyp Genus ist wesentlich günstiger, schneller und vielfältiger einsetzbar als herkömmliche MRT-Verfahren, etwa in der Geflügelindustrie oder in der Agrarindustrie.

Für die Geflügelindustrie bedeutet der Einsatz des Scanners, dass Eier in ihrem Befruchtungsstatus erkannt werden können. Unbefruchtete Eier landen dadurch nicht milliardenfach auf dem Müll, sondern auf dem Frühstückstisch. Die Eierproduktion kann auf diese Weise nachhaltig gesteigert werden. Im Blick haben die Gründer hierbei vor allem solche Länder, in denen bisher nicht in ausreichender Menge produziert werden kann, um die Bevölkerung zu ernähren.

Die TUM vermittelte uns nicht nur Gründungswissen, sondern vor allem Gründungsesprit. 

Miguel Molina Romero und Pedro Gómez

Auch im Bereich der Agrarindustrie soll die Technologie zukunftsweisend eingesetzt werden. Obst- und Gemüsepflanzen können beispielsweise auf ihren Wassergehalt hin untersucht werden. Im Nachgang können dann eben diese Pflanzen, die aufgrund ihres eigenen Wassergehalts signifikant weniger Wasser zur Bewässerung benötigen, gezielt gezüchtet werden. „Diese Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen ist enorm wichtig für uns und zeichnet uns aus“, sagen die TUM Alumni. „Unsere Technologie schafft eine nachhaltige Zukunft, in der die Lebensmittelproduktion so effizient ist, dass es möglich ist, alle zu ernähren, ohne die Ressourcen von morgen zu erschöpfen.“
Der MRT-Scanner Genus untersucht und klassifiziert Objekte berührungslos. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Aktuell konzentriert sich das Start-up auf die Geflügelindustrie. In Zukunft könnte die innovative Technologie in der gesamten Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, etwa in der Qualitätskontrolle

Bild: Orbem GmbH

Der MRT-Scanner Genus untersucht und klassifiziert Objekte berührungslos. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Aktuell konzentriert sich das Start-up auf die Geflügelindustrie. In Zukunft könnte die innovative Technologie in der gesamten Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, etwa in der Qualitätskontrolle.

MIT BEHARRLICHKEIT DIE WELT RETTEN

Das Handeln von Pedro Gómez und Miguel Molina Romero ist nicht nur von der großen Überzeugung für ihre Sache geprägt, sondern auch von einer grundlegenden Beharrlichkeit, die ihnen die TUM mit auf den Weg gab. „Wissenschaft ist eine Tätigkeit der kontinuierlichen Suche nach Fragen und Antworten in einem Umfeld hoher Unsicherheit. Die Gründung eines Hightech-Unternehmens ist nicht so anders“, erklären sie. „In zahlreichen Kursen über Unternehmertum, öffentliches Reden und andere Soft-Skills machte uns die TUM mit diesem Umfeld vertraut und lehrte uns, hartnäckig zu sein.“

Dankbar sind die jungen Unternehmer der TUM insbesondere auch für die vielfältige explizite Unterstützung bei der Gründung ihres Start-ups. Die TUM ForTe – Forschungsförderung und Technologietransfer und die TUM Gründungsberatung betrachten sie als ausschlaggebend dafür, dass sie einen siebenstelligen Zuschuss durch den EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie einholen konnten. „Die TUM vermittelte uns nicht nur Gründungswissen, sondern vor allem Gründungsspirit“, sagen Pedro Gómez und Miguel Molina Romero. „ Ohne die TUM gäbe es Orbem nicht.“

Miguel Molina Romero (l). und Pedro Gómez

Miguel Molina Romero (l). und Pedro Gómez (Bild: Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen).

Miguel Molina Romero und Pedro Gómez

Promotion Informatik 2017 und Master Biomedical Computing 2014, Promotion Informatik 2017

Schon mit sechzehn Jahren begann Miguel Molina Romero mit dem Kodieren. 2009 verließ er die Universidad Carlos III de Madrid in Spanien als Ingenieur für Informations- und Kommunikationstechnik. 2012 absolvierte er den Master in Telemedizin und Bioingenieurwesen an der Universidad Politécnica de Madrid.

Fünf Jahre lang arbeitete er erfolgreich als Softwareingenieur bei einem börsennotierten spanischen Telekommunikationsunternehmen. Doch die Neugier auf Neues ließ ihm keine Ruhe und so entschied er sich dazu, den sicheren Job zu kündigen und an der TUM in Informatik zu promovieren. Dass er in Deutschland ein Start-up gründen würde, hätte er niemals gedacht.

Pedro Gómez schloss 2012 am Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores seiner mexikanischen Heimatstadt Monterrey den Bachelor in Biomedical/Medical Engineering ab. Mit einem DAAD-Conacyt Scholarship des Mexican National Council for Science and Technology kam er 2013 nach München an die TUM und absolvierte den Master in Biomedical Computing. 2017 folgte am Lehrstuhl für Informatikanwendungen in der Medizin & Augmented Reality die Promotion zum Thema Accelerated MR Imaging.

2019 gründeten Miguel Molina Romero und Pedro Gómez gemeinsam mit Maria Laparidou, Expertin für Vogelembryologie in der reproduktiven Biotechnologie von der Ludwig-Maximilians-Universität München, das TUM Spin-off Orbem. Seither ist das junge Unternehmen nicht mehr aufzuhalten. Mit ihrer KI-getriebenen MRT-Technologie wollen die jungen Visionäre ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft leisten.