Porträtbild von Sofía Ramírez Bernini

Sofía Ramírez Bernini (Bild: Magdalena Jooß/TUM).

Alumni gründen

Gründerin Sofía Ramírez Bernini

„Die Begeisterung für die Idee muss größer sein als die Angst vor dem Risiko“

15. Aug 2022
Lesezeit ca. Min.
TUM Alumna Sofía Ramírez Bernini will die Zukunft ihrer karibischen Heimat und der ganzen Welt mitgestalten. Mit ihrem Start-up entwickelt sie Technologien, die zum Ziel haben, Energie nachhaltig und CO2-negativ zu produzieren.
Die meisten karibischen Inseln sind bei der Energieversorgung von importierten fossilen Brennstoffen abhängig. Zwar ist der Wille zu lokaler und nachhaltiger Energiegewinnung wie etwa durch Biogasproduktion vorhanden, doch sind die Inseln zu klein, um die hierfür erforderlichen Rohstoffe in ausreichenden Mengen anzubauen. TUM Alumna Sofía Ramírez, die gebürtig aus Costa Rica stammt, arbeitet an einer Lösung für dieses Problem. Anstatt an Land Bäume als Ausgangsmaterial zu pflanzen, will sie Algen im Ozean züchten. „Ich möchte einen entscheidenden Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten“, sagt sie. „Es fühlt sich gut an, Gutes zu tun.“

ALLES IST MÖGLICH

Schon als Kind wollte Sofía Ramírez Bernini verstehen, wie die Welt in ihren grundlegenden Zusammenhängen funktioniert. Sie wollte Physik studieren und zwar in München. Durch einen Schüleraustausch kannte sie die bayerische Landeshauptstadt bereits. Vor allem die jahrhundertealte Architektur und die Nähe zu den Bergen hatten es ihr angetan. Sie entschied sich für das Studium in Engineering Physics/Applied Physics an der TUM. Doch bereits von Anfang an war ihr klar, dass sie später einmal keine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen würde. Sofía Ramírez Bernini ist eine Macherin. Wie ihr Vater und ihre beiden Onkel wollte sie Unternehmerin werden.

Mein Studium an der TUM gab mir das Selbstbewusstsein, dass man sich in fast alles einarbeiten kann.

Sofía Ramírez Bernini

Als sie 2018 ihren Master abgeschlossen hatte, trat Sofía Ramírez Bernini der studentischen Initiative WARR Hyperloop bei. Diese war an der TUM ins Leben gerufen worden, um an der von Elon Musk ausgerufenen SpaceX Hyperloop Pod Competition teilzunehmen. Das Ziel des Wettbewerbs war es, einen Kapsel-Prototypen zu entwickeln und zu bauen. Als Physikerin war Sofía Ramírez Bernini in dem sehr auf die Ingenieurswissenschaften ausgerichteten Projekt eine Quereinsteigerin. Doch schon nach kurzer Zeit war sie federführend bei der Entwicklung der Akkus, dann der gesamten Fahrerkabine des Hochgeschwindigkeitszuges zuständig. „Mein Studium an der TUM hatte mir das Selbstbewusstsein gegeben, dass man sich in fast alles einarbeiten kann“, sagt sie. „Die Arbeit im Hyperloop-Team hat mir gezeigt, wie wichtig Teamwork ist.“

NACHHALTIGER CO2-KILLER

Diese Erkenntnis und ihr gemeinsames Interesse an Nachhaltigkeit führten Sofía Ramírez Bernini und zwei ihrer Kollegen aus dem Hyperloop-Team, Joachim Sturm (Diplom Luft- und Raumfahrt 2012) und Tim Simon Klose (Bachelor Aerospace, Aeronautical and Astronautical Engineering 2019) im Jahr 2022 zur Gründung ihres eigenen Start-ups.

Schon im TUM Hyperloop-Projekt arbeiteten die TUM Alumni Sofía Ramírez Bernini, Tim Klose und Joachim Sturm zusammen. Sie merkten schnell, dass sie selbst unter Stress ein starkes Team sind. 2022 gründeten sie ihr eigenes Start-up. Mithilfe von Algen wollen sie die Energieproduktion nachhaltig machen (Bild: Privat).
Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, braucht die Welt laut dem Weltklimarat bis zum Jahr 2050 fünf bis zehn Gigatonnen an CO2-negativen Emissionen. Unter CO2-negativer Energie versteht man eine Energieproduktion, die der Atmosphäre mehr Treibhausgase entnimmt als sie in diese abgibt. Für aktuelle Technologien ist es kaum möglich, atmosphärisches CO2 im Gigatonnenmaßstab zu absorbieren. Sie benötigen entweder riesige Landflächen, verbrauchen große Mengen an Energie oder erfordern kostspielige Infrastrukturen.

Mit der Technologie, die Sofía Ramírez Bernini und ihre Mitgründer entwickeln wollen, scheinen sie einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden zu haben. Sie haben sich in das neue Gebiet von der Pike auf eingearbeitet, haben recherchiert, analysiert und kalkuliert – und konnten schließlich Makroalgen als idealen CO2-Killer identifizieren: Diese wachsen nachhaltig im Meer und könnten pro Jahr fast zwei Gigatonnen CO2 absorbieren. Wenn die Algen zur Erzeugung von Biogas und dieses zur Erzeugung von Strom verwendet würde, entstünde CO2-negative Energie.

IDEALE ENTWICKLUNGSUMGEBUNG

Um ihr ambitioniertes Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, ist das Gründerteam auf die Unterstützung von Experten angewiesen. Durch die UnternehmerTUM bekamen sie Zugang zu maßgeschneidertem Coaching, Gründungsberatung sowie finanzielle Unterstützung. Und auch das TUM Venture Lab Food/Agro/Biotech unterstützt sie intellektuell, mit einer umfangreichen Laborinfrastruktur und mit technischem Equipment. Als unternehmerische Innovationszentren treiben die TUM Venture Labs Ausgründungen an den Schnittstellen von Ingenieur-, Natur- und Lebenswissenschaften, KI/IT und Medizin mit umfangreichen Fördermaßnahmen voran.

Seit dem Jahr ihrer Unternehmensgründung arbeitet Sofía Ramírez Bernini selbst als Operations Managerin für die TUM Venture Labs. Sie möchte auch anderen Gründerinnen und Gründern Mut machen, ihrer Intuition zu folgen. „Die Begeisterung für eine Gründungsidee muss immer größer sein als die Angst vor dem Risiko“, sagt sie. „Und wenn man doch scheitern sollte, hat man wieder etwas Neues dazugelernt.“

TUM Alumna Sofía Ramírez Bernini.

Sofía Ramírez Bernini (Bild: Magdalena Jooß/TUM).

Sofía Ramírez Bernini

Master Engineering Physics/Applied Physics 2015

 

Die gebürtige Costa-Ricanerin hat an der TUM im Bachelor- und Masterstudium Physik studiert. Während ihres Studiums trat sie der studentischen Initiative WARR Hyperloop bei. Diese war an der TUM ins Leben gerufen worden, um an der von Elon Musk ausgerufenen SpaceX Hyperloop Pod Competition teilzunehmen. Die Studierenden der Initiative konnten alle vier Hyperloop-Wettbewerbe in Folge gewinnen und erreichten mit der von ihnen entwickelten 80-kg-Kapsel dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 482 km/h.

Gemeinsam mit Kollegen aus dem TUM Hyperloop Projekt, Joachim Sturm und Tim Simon Klose, gründete sie 2022 das Start-up 1point8. Die drei TUM Alumni wollen Technologien entwickeln, die das Potenzial haben, CO2 im Gigatonnenmaßstab zu absorbieren und CO2-negative Energie zu erzeugen.  

In ihrer Freizeit spielt Sofía Ramírez Bernini gerne Geige oder genießt die Natur im Münchner Umland.