TUM Ambassador Matteo Maestri in seinem Labor am Politecnico di Milano.

Durch seinen Aufenthalt an der TUM bekam TUM Ambassador Professor Dr. Matteo Maestri entscheidende Impulse für seine Forschung zur chemischen Katalyse. Mittlerweile wurde sein Projekt bereits zweimal durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert (Bild: Lia Tagliavini / Politecnico di Milano).

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TUM Ambassador Matteo Maestri
„Mein multikulturelles Netzwerk ist eine der größten Segnungen meines Berufs“
20. Mai 2022
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In seinem Labor am Politecnico di Milano forscht TUM Ambassador Matteo Maestri an chemischen Prozessen. Mit der gleichen Hingabe setzt er sich für die Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein.
Chemieingenieurwesen hat in der Familie von Prof. Dr. Matteo Maestri eine lange Tradition. Sein Großvater, sein Vater und sein älterer Bruder haben einen Abschluss in diesem Fach. „Wissenschaft und das Beobachten und Verstehen von Naturphänomenen fand ich schon als Kind spannend“, sagt Matteo Maestri. „Chemische Umwandlungsprozesse von Stoffen faszinierten mich hierbei besonders.“

ZUKUNFTSWEISENDE FORSCHUNG

Seit fast 15 Jahren forscht Matteo Maestri am Politecnico di Milano. Seine Forschungsdomäne ist die Katalyse, und damit die maßgenaue Ausgestaltung der Potentiale, der Geschwindigkeit und der Entwicklung chemischer Reaktionen.

Die chemische Verfahrenstechnik der Katalyse ist von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft und prägt unser tägliches Leben. So wird etwa katalytische Oxidation bei Schalldämpfern in Fahrzeugen eingesetzt, um eine Geräuschreduzierung und niedrigere Stickstoffdioxidwerte zu erreichen. Bei der Energiewende und der Entwicklung neuer Produktionsverfahren zur nachhaltigen Nutzung von Energieressourcen wird die chemische Katalyse eine entscheidende Rolle spielen. Durch sie kann Kohlenwasserstoff zu Wasserstoff umgewandelt und damit ein ressourcenschonender und energieeffizienter Treibstoff entwickelt werden.

TUM Ambassador Matteo Maestri vor dem von ihm entwickelten Operando Raman Apparat.
Mithilfe seines sogenannten Operando Raman Apparates kann TUM Ambassador Matteo Maestri katalytische Prozesse besser analysieren. Chemische Katalyse ist von grundlegender Bedeutung bei der Energiewende (Bild: Lia Tagliavini / Politecnico di Milano).
LEBENDIGE WISSENSCHAFTSCOMMUNITY

Neben seiner großen Passion, der Chemie, nehmen in Matteo Maestris Leben zwischenmenschliche Beziehungen einen hohen Stellenwert ein. Er ist dankbar für die fachliche und menschliche Inspiration, die er durch die tägliche Arbeit mit seinem Team und seinen Studierenden am Politecnico di Milano erfährt. Er betont auch den Mehrwert, den er als Gastwissenschaftler an Universitäten in den USA und in Deutschland aus seiner Zusammenarbeit mit den dortigen Forschenden ziehen konnte. Nicht wenige von ihnen zählen heute zu seinem Freundeskreis. „Dieses multikulturelle Netzwerk, das ich im Laufe der Jahre in verschiedenen Teilen der Welt aufbauen konnte, ist eine der größten Segnungen meines Berufs“, sagt er.

Der Aufenthalt an der TUM spielte eine entscheidende Rolle für die Entwicklung meines Forschungsprogramms.

Seine Begeisterung für den wissenschaftlichen Austausch führte Matteo Maestri auch an die TUM. 2011 kam er für sechs Monate mit einem Alexander-von-Humboldt-Stipendium nach München. Sein Aufenthalt war ein mehrfacher Gewinn. Als bereichernd fand es Matteo Maestri, dass er mit den Experten in Sachen chemischer Katalyse an der TUM, mit seinem Gastgeber Prof. Dr. Karsten Reuter sowie mit Prof. Dr. Olaf Hinrichsen und Prof. Dr. Johannes Lercher zusammenarbeiten konnte. Die Wissenschaftler zählen bis heute zu seinen wichtigen Kontakten in der internationalen Chemie-Community.

Durch die Zusammenarbeit mit ihnen erhielt Matteo Maestri entscheidende Impulse für die Ausrichtung seines Forschungsschwerpunktes. Die Wissenschaftler bezogen kinetische Simulationen in ihre Untersuchungen ein. Durch die Kopplung von Spektroskopie und kinetischen Messungen mithilfe eines sogenannten Operando Raman Apparates können katalytische Prozesse nun noch besser analysiert werden. „Der Aufenthalt an der TUM spielte eine entscheidende Rolle für die Entwicklung meines Forschungsprogramms“, sagt Matteo Maestri. „Er war ein Grundstein für meine weitere wissenschaftliche Karriere am Politecnico di Milano.“

ÜBERDURCHSCHNITTLICHES ENGAGEMENT

2021 wurde Matteo Maestri von TUM-Präsident Prof. Dr. Thomas Hofmann der Ehrentitel TUM Ambassador verliehen. Die Auszeichnung würdigt auch sein Engagement für die Zusammenarbeit beider Universitäten, so etwa im Bereich der European Talent Academy. Die im Jahr 2020/2021 erstmals von TUM Brussels organisierte Akademie bietet jungen Forscherinnen und Forschern eine Plattform, um sich in der europäischen Forschungslandschaft bestens vernetzen zu können.

Matteo Maestri informiert auf den Veranstaltungen der Akademie voller Leidenschaft über die Vorteile eines starken Netzwerks – und gibt dafür mit seinen wissenschaftlichen Erfolgen ein inspirierendes Beispiel ab. Die Ausbildung und Förderung junger Menschen betrachtet er als eine der Hauptaufgaben seines Berufes. „Es ist eine Freude, die Entwicklung junger Studierender zu professionellen Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieuren zu sehen“, betont er. „Auch ich entwickle mich mit ihnen zusammen ständig weiter.“

TUM Ambassador Matteo Maestri.

Matteo Maestri (Bild: Lia Tagliavini / Politecnico di Milano).

Prof. Dr. Matteo Maestri

TUM Ambassador 2021

 

2004 absolvierte Matteo Maestri am Politecnico di Milano den Master in Chemical Engineering. 2008 schloss er seine Promotion in Industrial Chemistry and Chemical Engineering ab. Seit 2019 ist er an seiner Alma Mater Professor für Chemical Engineering und forscht an Katalyse und Kinetik, Mehrskalenmodellierung und chemischer Reaktionstechnik. Wissenschaftliche Zusammenarbeit über Länder- und Disziplingrenzen hinweg sind für den passionierten Chemiker von großer Bedeutung. Er war Gastwissenschaftler an der University of Delaware, USA und am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Als Alexander-von-Humboldt-Fellow forschte er dort gemeinsam mit Prof. Dr. Karsten Reuter. Als dieser an die TUM wechselte, ging Matteo Maestri mit nach München, um seine Forschungen am TUM Zentralinstitut für Katalyseforschung fortzuführen.

Für seine zukunftsweisende Forschungstätigkeit wurde Matteo Maestri mehrfach ausgezeichnet und mit einer beachtlichen Anzahl an Stipendien und Fördermitteln unterstützt. Zuletzt erhielt er vom Europäischen Forschungsrat den Proof of Concept Grant. 2021 wurde ihm von TUM-Präsident Prof. Dr. Thomas Hofmann der Ehrentitel TUM Ambassador verliehen. Familie und Freunde sind Matteo Maestri sehr wichtig in seinem Leben. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport und spielt Klavier.