
TUM Alumna Isa Held vor ihrem „Einsatzfahrzeug“. Als Hubschrauberpilotin in der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim wächst sie jeden Tag über sich selbst hinaus (Bild: Privat).
Die eigenen Stärken erkennen
2016 zog Isa Held für ihr Masterstudium in Maschinenwesen an der TUM nach München. „Ich liebe die Berge und war neugierig auf die Millionenstadt“, sagt sie. „Aber vor allem sagten mir die Luft- und Raumfahrt- sowie die Managementvorlesungen an der TUM sehr zu.“ Während ihres Studiums nahm sie so viele Erfahrungen wie möglich mit, ob bei den breitgefächerten Vorlesungen und Vorträgen, der Teilnahme an verschiedenen Hochschulgruppen oder dem Besuch von Industrieveranstaltungen und Nebenjobs.

Isa Held liebt die bayerischen Berge – ob auf Skiern oder vom Cockpit aus (Bild: Privat).
Meine Intuition sagte mir, dass sich dieser Weg lohnen wird.
Durch ihr Studium an der TUM lernte Isa Held Eigeninitiative, Resilienz und was sie beruflich machen möchte. „Je mehr Eindrücke ich sammelte, desto besser wusste ich, wo meine Stärken und Schwächen liegen und was zu mir passt“, sagt sie. „Als ich 2020 meinen Master abschloss, hatte ich noch mehr Lust auf Technik und vor allem auf das Fliegen.“
Die Komfortzone wächst mit
Nach ihrem Studium wurde Isa Held auf eine Ausschreibung der Bundespolizei aufmerksam. Im sogenannten „Pilotprojekt“ können sich Interessierte zeitgleich für das Polizeistudium und den Flugdienst der Bundespolizei bewerben und so eine Direktzusage für die fliegerische Ausbildung nach Abschluss des Studiums erhalten. Das war Isa Helds Chance. Im Auswahlverfahren wurde sie prompt angenommen. Doch die Ausbildung hatte es in sich. Sie war sehr fordernd, das Tempo extrem hoch – und das bei bundesweiten Einsätzen. „Der Lehrgang war so konzipiert, dass er die Teilnehmenden kontinuierlich forderte und regelmäßig an ihre Leistungsgrenzen heranführte“, sagt sie. „Aber meine Intuition sagte mir, dass sich dieser Weg lohnen wird.“ Nach fünf Jahren Ausbildung ist Isa Held heute Polizeikommissarin mit Berufspilotenlizenz – und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Aktuell ist Isa Held Einsatzpilotin in der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim. Ihr Arbeitsalltag im „Streifenwagen der Lüfte“ ist fliegerisch spannend, abwechslungsreich – und vor allem sinnstiftend. Nie weiß sie, was sie erwartet, wenn sie zum Dienst erscheint. Mal sind es Überwachungsflüge über Schnellfahrstrecken der Deutschen Bahn, um sicherzustellen, dass keine Gegenstände auf den Gleisen den Verkehr gefährden. Mal sind es unvorhergesehene Soforteinsätze nach einem Sturm, einem Waldbrand, bei der Suche nach einer vermissten oder schwerstverletzten Person mit der Wärmebildkamera. „Man muss sehr flexibel sein“, sagt sie. „Ich fahre jeden Tag mit einem Gefühl von Freude und Dankbarkeit zur Arbeit und habe die Entscheidung noch keine Minute bereut. Wenn ich am Ende des Tages jemandem helfen konnte und etwas Sinnvolles getan habe, dann ist das ein tolles Gefühl.“
Bestens vorbereitet
Nicht nur ihre Leidenschaft für das Fliegen, sondern auch für Technik prägt Isa Helds Alltag im Flugdienst. Im Cockpit kann sie auf ihr solides technisches und naturwissenschaftliches Wissen zurückgreifen, das ihr die TUM mit auf den Weg gegeben hat. Nicht jedes Notverfahren läuft lehrbuchmäßig ab, manche Fehlerbilder sind diffus – in solchen Situationen hilft Isa Held ihr gutes Verständnis für die Systeme und die Technik dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Isa Held erinnert sich auch an ein sehr bereicherndes Gespräch mit TUM-Professor Dr. Manfred Hajek, dem ehemaligen Leiter des EADS-Stiftungslehrstuhls für Hubschraubertechnologie an der TUM, das sie mit ihm bei einer gemeinsamen Runde im Flugsimulator führte. Schon damals hatte er ihr gesagt, wie gut ein wissenschaftlicher Hintergrund und die Liebe zum Fliegen Hand in Hand gehen können.
Immer höher hinaus – und immer geerdeter
Neben ihrer Haupttätigkeit als Einsatzpilotin ist Isa Held in der Fliegerstaffel Oberschleißheim stellvertretende Drohnenbeauftragte. Auch fliegerisch lernt sie nie aus. Jeder Flug bringt sie weiter und es gibt noch zahlreiche Berechtigungen und Qualifikationen, die sie als Pilotin erreichen möchte. Hierzu gehören Windeneinsätze, der Rettungsdienst mit den Zivilschutzhubschraubern des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die Berechtigung die Super Puma, den größten Transporthubschrauber der Bundespolizei, fliegen zu dürfen.
Isa Helds Alltag zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig, verantwortungsvoll und technisch anspruchsvoll der Beruf der Hubschrauberpilotin bei der Bundespolizei ist – und wie stark er ihre persönliche Weiterentwicklung förderte. Ihr Job hat sie bis in ihr Privatleben hinein positiv verändert. Mit jedem Flug und mit jeder Herausforderung im Cockpit wächst auch ihre Komfortzone, wächst sie über sich selbst hinaus und spürt ihre zunehmende Souveränität. Sie findet es schade, dass sie als Frau in der Männerdomäne Cockpit immer noch als Ausnahmeerscheinung gilt. „Dieser Job ist viel zu schön, um ihn nur den Männern zu überlassen“, sagt sie und möchte Frauen mit ihrem Karriereweg inspirieren. „Ihr könnt das!“

Isa Held (Bild: Privat).
Master Maschinenwesen 2020
Nach dem Abitur im südhessischen Bensheim absolvierte Isa Held 2016 ihre Bachelor im Allgemeinen Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie. 2020 folgte der Master in Maschinenwesen an der TUM.
In den Jahren 2020 bis 2024 absolvierte sie das Polizeistudium, das sie als Diplom-Verwaltungswirtin und mit der Ernennung zur Polizeikommissarin im gehobenen Dienst abschloss, und ließ sich an der Luftfahrerschule für den Polizeidienst zur Hubschrauberpilotin ausbilden. Seit 2024 ist sie Einsatzpilotin und stellvertretende Drohnenbeauftragte in der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim. Wenn Isa Held nicht im Cockpit sitzt, fährt sie gerne Ski und engagiert sich als Übungsleiterin bei Ski Alpin.


