Air up, TUM Alumnus Fabian Schlang

In der Küche von air up wird nicht nur gekocht, sondern auch geforscht (Bild: Air up®).

Alumni in Führung
Gründer Fabian Schlang
„Ohne die TUM gäbe es air up vielleicht nicht“
23. Okt. 2026
Lesezeit ca. Min.
Aus einer ungewöhnlichen Idee wurde ein international erfolgreiches Unternehmen: TUM Alumnus Fabian Schlang hat air up mit aufgebaut und damit wissenschaftliche Erkenntnisse über das menschliche Riechen in ein neues Produkt übersetzt. Entscheidend für die frühe Entwicklung waren sein Studium und die Unterstützung an der TUM.
Wenn Fabian Schlang einen schlechten Tag hat, dann öffnet er die Tür im zweiten Stock seiner Firma am Ostbahnhof in München, geht vorbei an 3D-Druckern und Laborräumen, zu einer kleinen Wand, an der Kundenbriefe hängen. Da ist zum Beispiel die Zeichnung einer Achtjährigen, die sich einen Kirsch-Banane-Geschmack wünscht. Oder die ausgedruckte Mail eines Kunden, der von seinem starken Übergewicht erzählt, davon, dass er literweise Cola am Tag getrunken hat und jetzt 20 Kilo abgenommen hat. „Diese Geschichten bedeuten mir sehr viel”, erzählt der TUM Alumnus ein paar Schritte weiter in seinem Büro. „Sie sind der Grund, wofür ich das alles mache.” Mit „das alles” meint Fabian Schlang seine Firma air up: Eines der erfolgreichsten Start-ups in ganz Deutschland mit mehr als fünfzehn Million Kundinnen und Kunden in 14 Ländern.

Retronasales Riechen: Wie aus Duft Geschmack wird

Das Konzept: Flaschen mit austauschbaren Duft-Pods, die dem Wasser unterschiedliche Geschmacksrichtungen verleihen. Air up will damit eine Alternative zu zuckerhaltigen Softdrinks anbieten. Eistee, Wassermelone, Cherry Kola: Durch das sogenannte „retronasale Riechen” kommt jegliches Aroma über den Rachen und die Nase als Geschmack im Gehirn an. „Wir können einem Apfelallergiker einen Apfelgeschmack geben“, erzählt Fabian Schlang. So könne jemand den Geschmack von Apfel genießen, auch wenn er beispielsweise keinen Apfelsaft trinken kann.

Von der Idee, diese Fähigkeit des menschlichen Körpers in Flaschen zu packen, hörte der TUM Alumnus zum ersten Mal im Jahr 2016 bei einem Lagerfeuer. Eine Bekannte erzählte ihm von ihrer Schwester, der späteren Mitgründerin Lena Jüngst. Und von dem Prototypen, den sie zusammen mit ihrem Kollegen Tim Jäger für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd produzierte. „Das ist ja Wahnsinn”, dachte sich Fabian Schlang damals und fing erstmal an, Patente zu durchsuchen. „Ich konnte echt nicht glauben, dass es das noch nicht gab.”

Von der Lagerfeuer-Geschichte ins TUM-Labor

Schlang studierte da gerade Lebensmitteltechnologie an der TUM. Ihm war klar: Die Technologie muss dringend weiterentwickelt werden. Also graste er alle Lehrstühle nach einem passenden Zuhause ab und landete am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik unter der Leitung des heutigen TUM-Präsidenten Thomas Hofmann. „Ohne diesen Glücksfall gäbe es air up heute vielleicht gar nicht”, sagt Fabian Schlang. Thomas Hofmann hätte damals nicht nur den Wert der Idee für die Lebensmittelindustrie erkannt, sondern auch die Ressourcen zur Seite gestellt, um die Technologie wirklich auszubauen. „Besonders in dieser ganz frühen Phase war diese Unterstützung durch die TUM total wichtig”, sagt Fabian Schlang.

Thomas Hofmann war damals auch der Vizepräsident für Forschung und Innovation an der TUM. Er vernetzte das Team mit einem Gründungsberater, stellte die Labore für die Aromenforschung zur Verfügung und half beim Antrag für die erste Finanzierung durch das EXIST-Gründerstipendium. „Das war der Anfangspush, den wir gebraucht haben, um unsere Idee als Unternehmen aufbauen zu können”, sagt Fabian Schlang heute.

„Je größer wir werden, desto größer ist auch unser positiver Effekt auf die Gesundheit von Menschen.“

Fabian Schlang

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Im Februar 2018 gründete der TUM Alumnus zusammen mit Lena Jüngst, Tim Jäger, Jannis Koppitz und Simon Nüesch die Firma air up und produzierte ein erstes Kontingent von 80.000 Flaschen. Ein halbes Jahr wollte sich das Gründer-Team geben, um herauszufinden, ob ihre Idee überhaupt eine Zukunft hat. Nach sieben Wochen war alles ausverkauft. „Das war ein riesiger Meilenstein”, sagt Fabian Schlang. Mittlerweile ist air up ein internationales Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitenden und Geldgebern wie PepsiCo und den „Höhle der Löwen”-Juroren Frank Thelen und Ralf Dümmel. Sogar das Schauspieler-Ehepaar Ashton Kutcher und Mila Kunis hat in die air-up-Technologie investiert. Das nächste Ziel: Den Markt in den USA ausbauen. „Je größer wir werden, desto größer ist auch unser positiver Effekt auf die Gesundheit von Menschen”, sagt Fabian Schlang.

Dazu gehört es auch, immer bessere Aromen zu produzieren. Für den TUM Alumnus heißt das vor allem: viele Meetings, Diskussionen über neue Ideen und Produktverkostungen. „Da trinke ich in einer halben Stunde auch mal schnell drei Liter”, erzählt er. Grundsätzlich gehe es bei den Verkostungen aber vor allem um Balance, sagt er und zeigt auf die Flasche vor sich: Blueberry Shake. Das Aroma solle dem eines Milchshakes ähneln, gleichzeitig dürfe der Geschmack der Blaubeere nicht verschwinden. Nur: Wie soll sich dieser überhaupt anfühlen? Soll es eine Blaubeere sein, wie man sie aus dem Joghurt kennt oder doch eher naturbelassen?

Die Wissenschaft hinter dem Geschmack

An diesen Feinheiten arbeitet im Hintergrund ein ganzes Team an Lebensmittelchemikern. „Viele davon wurden an der TUM ausgebildet”, sagt Fabian Schlang. In den Laboren von air up wird an der molekularen Basis von Duftstoffen gefeilt, das Team diskutiert dort über die Kombination von Zimt- und Limetten-Öl oder um das Verhältnis von Citral und Ester. „Das Team ist mittlerweile so gut geworden, dass es mich abgehängt hat”, sagt Fabian Schlang und grinst.

Oft muss er sich auch um die Alltagsprobleme kümmern, zum Beispiel, wenn die Kartonagen auf dem LKW zu feucht ankommen oder ein Mitarbeiter Schwierigkeiten hat. In all dem Getümmel fällt es dem TUM Alumnus dann oft schwer, innezuhalten und zu reflektieren, was in den letzten zehn Jahre eigentlich alles passiert ist, wo er hinwill und warum. Auch da hilft die Wand mit den Kundenbriefen. „Ich sehe dann, dass das, was wir hier tun, das Leben von Menschen verbessert, sagt Fabian Schlang. „Und das ist richtig, richtig schön.”

TUM Alumus Fabian Schlang bei der Abschlussrede für TUM Masterstudierende 2026.

Fabian Schlang hält den Kontakt zur TUM. Hier bei einer Abschlussrede für die Masterstudierenden der TUM School of Life Science. (Bild: Andreas Heddergott/TUM).

TUM Alumnus Fabian Schlang

Fabian Schlang (Bild: air up).

Fabian Schlang

Bachelor Nutrition Science 2015, Master Technologie und Biotechnologie der Lebensmittel 2017

 

Fabian Schlang ist gelernter Koch und hat Ernährungswissenschaften und Lebensmitteltechnologie an der TUM studiert. 2017 gründete er noch während seines Studiums den Vorläufer von air up. Das Unternehmen entwickelt Trinkflaschen, die Wasser mit Hilfe von Duft-Pods aromatisieren.

Aus air up ist mittlerweile ein erfolgreiches Unternehmen geworden, das in Europa und den USA Millionen von Kundinnen und Kunden erreicht.