
In der Küche von air up wird nicht nur gekocht, sondern auch geforscht (Bild: Air up®).
Retronasales Riechen: Wie aus Duft Geschmack wird
Das Konzept: Flaschen mit austauschbaren Duft-Pods, die dem Wasser unterschiedliche Geschmacksrichtungen verleihen. Air up will damit eine Alternative zu zuckerhaltigen Softdrinks anbieten. Eistee, Wassermelone, Cherry Kola: Durch das sogenannte „retronasale Riechen” kommt jegliches Aroma über den Rachen und die Nase als Geschmack im Gehirn an. „Wir können einem Apfelallergiker einen Apfelgeschmack geben“, erzählt Fabian Schlang. So könne jemand den Geschmack von Apfel genießen, auch wenn er beispielsweise keinen Apfelsaft trinken kann.
Von der Idee, diese Fähigkeit des menschlichen Körpers in Flaschen zu packen, hörte der TUM Alumnus zum ersten Mal im Jahr 2016 bei einem Lagerfeuer. Eine Bekannte erzählte ihm von ihrer Schwester, der späteren Mitgründerin Lena Jüngst. Und von dem Prototypen, den sie zusammen mit ihrem Kollegen Tim Jäger für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd produzierte. „Das ist ja Wahnsinn”, dachte sich Fabian Schlang damals und fing erstmal an, Patente zu durchsuchen. „Ich konnte echt nicht glauben, dass es das noch nicht gab.”
Von der Lagerfeuer-Geschichte ins TUM-Labor
Schlang studierte da gerade Lebensmitteltechnologie an der TUM. Ihm war klar: Die Technologie muss dringend weiterentwickelt werden. Also graste er alle Lehrstühle nach einem passenden Zuhause ab und landete am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik unter der Leitung des heutigen TUM-Präsidenten Thomas Hofmann. „Ohne diesen Glücksfall gäbe es air up heute vielleicht gar nicht”, sagt Fabian Schlang. Thomas Hofmann hätte damals nicht nur den Wert der Idee für die Lebensmittelindustrie erkannt, sondern auch die Ressourcen zur Seite gestellt, um die Technologie wirklich auszubauen. „Besonders in dieser ganz frühen Phase war diese Unterstützung durch die TUM total wichtig”, sagt Fabian Schlang.
Thomas Hofmann war damals auch der Vizepräsident für Forschung und Innovation an der TUM. Er vernetzte das Team mit einem Gründungsberater, stellte die Labore für die Aromenforschung zur Verfügung und half beim Antrag für die erste Finanzierung durch das EXIST-Gründerstipendium. „Das war der Anfangspush, den wir gebraucht haben, um unsere Idee als Unternehmen aufbauen zu können”, sagt Fabian Schlang heute.
„Je größer wir werden, desto größer ist auch unser positiver Effekt auf die Gesundheit von Menschen.“
Dazu gehört es auch, immer bessere Aromen zu produzieren. Für den TUM Alumnus heißt das vor allem: viele Meetings, Diskussionen über neue Ideen und Produktverkostungen. „Da trinke ich in einer halben Stunde auch mal schnell drei Liter”, erzählt er. Grundsätzlich gehe es bei den Verkostungen aber vor allem um Balance, sagt er und zeigt auf die Flasche vor sich: Blueberry Shake. Das Aroma solle dem eines Milchshakes ähneln, gleichzeitig dürfe der Geschmack der Blaubeere nicht verschwinden. Nur: Wie soll sich dieser überhaupt anfühlen? Soll es eine Blaubeere sein, wie man sie aus dem Joghurt kennt oder doch eher naturbelassen?
Die Wissenschaft hinter dem Geschmack
An diesen Feinheiten arbeitet im Hintergrund ein ganzes Team an Lebensmittelchemikern. „Viele davon wurden an der TUM ausgebildet”, sagt Fabian Schlang. In den Laboren von air up wird an der molekularen Basis von Duftstoffen gefeilt, das Team diskutiert dort über die Kombination von Zimt- und Limetten-Öl oder um das Verhältnis von Citral und Ester. „Das Team ist mittlerweile so gut geworden, dass es mich abgehängt hat”, sagt Fabian Schlang und grinst.
Oft muss er sich auch um die Alltagsprobleme kümmern, zum Beispiel, wenn die Kartonagen auf dem LKW zu feucht ankommen oder ein Mitarbeiter Schwierigkeiten hat. In all dem Getümmel fällt es dem TUM Alumnus dann oft schwer, innezuhalten und zu reflektieren, was in den letzten zehn Jahre eigentlich alles passiert ist, wo er hinwill und warum. Auch da hilft die Wand mit den Kundenbriefen. „Ich sehe dann, dass das, was wir hier tun, das Leben von Menschen verbessert, sagt Fabian Schlang. „Und das ist richtig, richtig schön.”
Fabian Schlang hält den Kontakt zur TUM. Hier bei einer Abschlussrede für die Masterstudierenden der TUM School of Life Science. (Bild: Andreas Heddergott/TUM).
Fabian Schlang (Bild: air up).
Bachelor Nutrition Science 2015, Master Technologie und Biotechnologie der Lebensmittel 2017
Fabian Schlang ist gelernter Koch und hat Ernährungswissenschaften und Lebensmitteltechnologie an der TUM studiert. 2017 gründete er noch während seines Studiums den Vorläufer von air up. Das Unternehmen entwickelt Trinkflaschen, die Wasser mit Hilfe von Duft-Pods aromatisieren.
Aus air up ist mittlerweile ein erfolgreiches Unternehmen geworden, das in Europa und den USA Millionen von Kundinnen und Kunden erreicht.


