
BU: Für ihre dauerhafte und starke Kooperation mit der TUM wurde Professorin Dr. Jenny Reardon am 30. November 2025 von TUM-Präsident Thomas F. Hofmann als TUM Ambassador ausgezeichnet (Bild: Astrid Eckert/TUM).
Wie eine Weggabelung
Jenny Reardon setzte ihre Umweltforschung fort und begann an der Universität von Kansas ein Bachelorstudium in Biologie. Als das menschliche Genom in den 1990er Jahren zu einem großen Thema wurde, war sie sofort fasziniert und wollte Molekularbiologin werden. Doch eine Reise nach Berlin am Ende des Kalten Krieges weckte Zweifel an ihrem Berufswunsch. Jenny Reardon war so beeindruckt von den sichtbaren Unterschieden zwischen Ost- und West-Berlin und vom spürbaren Optimismus, Berlin, Deutschland und die Welt wieder zu vereinen, dass sie auch Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen im Doppelstudium belegte.
Der Ehrentitel TUM Ambassador signalisiert mir, dass ich mit der TUM langfristig planen kann.
Kurzerhand bewarb sich Jenny Reardon auch für das damals brandneue Promotionsprogramm für Wissenschafts- und Technikstudien an der Cornell University – und wurde ebenso angenommen. „Es war wie eine Weggabelung für mich“, erinnert sie sich. Letztendlich entschied sie sich für Wissenschafts- und Technikstudien. „Die Entscheidung fiel mir ziemlich schwer, denn es war sehr beängstigend, einen solchen Sprung zu wagen, der mich vom sicheren und aussichtsreichen Feld der Molekularbiologie in ein Forschungsgebiet versetzte, das noch in den Kinderschuhen steckte.“
Wissenschaft und Gerechtigkeit
Doch genau darin lag auch die große Chance für Jenny Reardon, die für sie so wichtigen interdisziplinären Fragestellungen in die Wissenschafts- und Technikstudien einzubringen. 2002 schloss sie ihre Promotion ab. Seither widmet sie ihre Karriere intensiv der Erforschung der Verflechtungen von Wissenschaft und Gesellschaft und dem Aufbau der institutionellen Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, um diesen Forschungsfragen zuallererst nachgehen zu können.
Das Ausbildungsprogramm für Wissenschaft und Gerechtigkeit, das Jenny Reardon 2011 als Gründungsdirektorin an der University of California in Santa Cruz ins Leben gerufen hat, ist ein weltweit einzigartiges Programm, das genau diese Ziele verfolgt – und es bietet die Art von Ausbildung, die sich Jenny Reardon selbst gewünscht hätte.
Ob am Science and Justice Research Center in Santa Cruz oder am Department für Science, Technology and Society (STS) an der TUM School of Social Sciences and Technology – beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, die Wechselwirkungen von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft und die übergeordneten ethischen, sozialen, politischen und rechtlichen Dimensionen zu erforschen. Hier wie dort geht es darum, mit interdisziplinärer Forschung und internationaler Zusammenarbeit einen verantwortungsvolleren und nachhaltigeren Umgang mit Wissenschaft und Innovation zu ermöglichen.
TUM-Professorin Dr. Ruth Müller kam 2010 als erste Gastwissenschaftlerin im Bereich Science and Justice nach Santa Cruz. 2012 war sie an der TUM daraufhin eines der Gründungsmitglieder des Munich Center for Technology and Society, aus dem im Jahr 2021 das Department für Science, Technology and Society (STS) hervorging. Nicht nur war Ruth Müller seither vielfach in Santa Cruz, auch lud sie im Gegenzug Jenny Reardon mehrfach nach München an die TUM ein.
Besiegelung der Kooperation
Jedes Mal, wenn Jenny Reardon an die TUM eingeladen wird, freut sie sich über ihren Besuch. Am STS kann sie ihre Ideen zu ethischen, rechtlichen und sozialen Fragestellungen im Bereich Genomik, Epigenomik und Gesundheitsgerechtigkeit teilen und auf wertvolles Feedback hoffen. „Es ist großartig, hier an der TUM eine Basis zu haben für die Art von Forschung, die ich betreibe“, sagt sie. Für ihre dauerhafte und starke Kooperation, die sie als Forscherin mit der TUM verbindet, wurde Jenny Reardon am 30. November 2025 von TUM-Präsident Thomas F. Hofmann als TUM Ambassador ausgezeichnet. „Dieser Ehrentitel signalisiert mir, dass ich mit der TUM langfristig planen kann“, so Reardon. „Die Rolle als TUM Ambassador erlaubt es mir, mich meinen Kolleginnen und Kollegen an der TUM in einer Weise zu verpflichten, wie es mir ohne diese kontinuierliche Unterstützung nicht möglich wäre.“

Seit Jahren forscht TUM Ambassador Jenny Reardon (2.v.re) gemeinsam mit TUM-Professorin Dr. Ruth Müller (re) zu ethischen, rechtlichen und sozialen Fragestellungen im Bereich Genomik, Epigenomik und Gesundheitsgerechtigkeit. Das Bild zeigt die beiden Forscherinnen bei der Preisverleihung des TUM Ambassador 2025 gemeinsam mit TUM Ambassador Professor Dr. Oren Schuldiner vom Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel (3.v.r.) und TUM-Professor Dr. Thomas Misgeld (li) (Bild: Astrid Eckert/TUM)

Jenny Reardon (Bild: Karolina Knittel)
TUM Ambassador 2025
Jenny Reardon absolvierte 1993 an der University of Kansas einen Bachelor sowohl in Biologie als auch in Politikwissenschaft. 1998 folgte an der Cornell University, Ithaca, New York der Master in Science and Technology Studies, 2002 die Promotion. 2011 gründete sie das Science and Justice Research Center an der University of California, Santa Cruz, USA. Seit 2014 ist sie an der UC Professorin für Soziologie und Fakultätsmitglied für Biomolekulare Wissenschaft und Technik. Die Liste ihrer Stipendien und Auszeichnungen ist seitenlang, die National Science Foundation, das Max-Planck-Institut, die Humboldt-Stiftung, der Ausschuss für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie des US-Kongresses und ihre Auszeichnung als TUM Ambassador zählen hierzu.
Für Jenny Reardon war es schon immer wichtig, auch ein erfülltes Leben außerhalb der Universität zu haben. Jeden Tag beginnt sie mit einer Yoga-Übung, sie geht gerne klettern und stellt eigene Holzmöbel her. Doch das Radfahren ist ihre absolute Leidenschaft. Vor kurzem startete sie ein Projekt, bei dem sie mit dem Fahrrad über tausend Meilen durch ihren Heimatstaat Kansas fährt, um von Bauern, Viehzüchtern und anderen Bewohnern der Hochebene zu lernen, wie man die Prärie am besten kennenlernt und pflegt.


