
Nina Böhm (Bild: Wouter Oudemans).
Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn die finanziellen Mittel sind oft knapp, auch wenn der Wille der Mitarbeitenden groß ist. „In meinem Job ist man in 99,9 Prozent der Fälle nicht erfolgreich”, sagt Nina Böhm. „Aber es lohnt sich, es immer wieder zu probieren”. Denn die 0,1 Prozent haben es in sich.
Von der ersten Idee bis zum Instagram-Account von Dieter Reiter
Die landen dann manchmal sogar auf dem Instagram-Kanal des Oberbürgermeisters. Dort existiert ein Video, aufgenommen im April letzten Jahres, in dem Dieter Reiter darüber spricht, dass die Bürgerinnen und Bürger viel zu lange auf ihr Wohngeld warten müssen. „Das ändern wir jetzt”, sagt er und zählt auf: mehr Geld, weniger Bürokratie. Und: „Einen deutlich höheren und besseren Einsatz von Künstlicher Intelligenz.” Hinter der letzten Maßnahme steckt Nina Böhm.
Monatelang tauschte sich die TUM Alumna mit anderen Kommunen zu dem Thema aus, vernetzte sich, entwickelte Pläne und wartete auf den richtigen Moment. Der kam in Form eines Fernsehbeitrags, der aufzeigte, dass die Bürgerinnen und Bürger teilweise mehr als zwei Jahre auf ihr Wohngeld warten müssen. Nina Böhm war bereit und verschickte ihre Mail: „Ich habe die Lösung.”
Das Leben der Menschen lebenswert machen
Seitdem wird der Wohngeldprozess mit KI beschleunigt. „Wir haben hier alle die gleiche Vision: Wir wollen der Gesellschaft helfen”, sagt Nina Böhm und meint es wirklich so. In der Industrie könnte die TUM Alumna deutlich mehr Geld verdienen. Aber bei der Stadt, sagt sie, könne sie Welt ein bisschen besser machen. Hier gehe es nicht um Gewinnmaximierung sondern um Gemeinwohl, darum, das Leben der Menschen lebenswerter zu machen.
Dazu gehört es auch, sich den Lücken bewusst zu werden, denn auch die KI hat Vorurteile und kann diskriminieren. „Mein Job ist es, alle mitzudenken”, sagt die TUM Alumna: Alte Menschen, junge Menschen, Christen, Muslime, Männer, Frauen. „Perspektivendiversität” nennt Nina Böhm das. Die Stadt gehört schließlich allen.
Am 17. März 2026 sitzt Nina Böhm deswegen auch beim Women of TUM Talk auf dem Podium. „Ich bin großer Fan von Frauennetzwerken und Female Empowerment“ sagt die TUM Alumna. Gemeinsam mit der TUM-Professorin Dr. Renate Oberhoffer und der TUM Alumna Dr. Sindi Haxhija spricht sie unter dem diesjährigen Motto „Closing the Gap – Stories of Choice, Challenge, and Change” über ihre Erfahrungen.

Auch privat ist Nina Böhm ein großer Fan von KI: Essenspläne für ihre zwei Töchter, Gehaltsverhandlungen für sich selbst, für alles wird ein Prompt geschrieben (Bild: Benjamin Härer).
Ich war an der TUM nie alleine. Wir sind eine richtige Familie geworden.
Aber die Prüfungen hatten es in sich: etliche Drittversuche, schlechte Noten. Nina Böhm machte trotzdem weiter. Sie weiß noch, was sie sich damals dachte: „Du hast einen Platz an einer Elite-Uni bekommen, jetzt nutze ihn auch“. Von da an hieß es weniger Isar, mehr Bibliothek. Aber auch: viel Unterstützung durch ihre Mitstudierenden. „Ich war an der TUM nie alleine. Wir sind eine richtige Familie geworden.“
In ihrem jetzigen Job hat Nina Böhm ein ähnliches Gefühl. Jede Woche fährt sie mit ihrem E-Bike ins sogenannte „IT-Rathaus“ nach Moosach, tüftelt an Lösungen, tauscht sich aus, kämpft um die Projekte, die ihr wichtig sind und merkt: „Wir haben alle die gleiche Vision.“

Nina Böhm (Bild: Benjamin Härer).
Bachelor Wirtschaftsinformatik 2009, Master 2011, Promotion 2017
Dr. Nina Böhm war der TUM acht Jahre lang verbunden. Ihre Promotion am Lehrstuhl für Informatik absolvierte sie in Kooperation mit Audi und baute anschließend als Markenstrategin den Bereich Digital Business auf.
Im Jahr 2021 wechselte die TUM Alumna ins IT-Referat der Stadt München. Als Digitalisierungsstrategin ist sie dort für den Themenschwerpunkt Künstliche Intelligenz verantwortlich. Im Jahr 2025 wurde sie vom Women’s IT Network mit dem WIN Award im Bereich Digital Transformation ausgezeichnet.


